Beispiele / 04

Vom Screening zur Wirkfläche: ein Plan wächst in einen verschobenen Versuchsraum

Ein Screening endet selten mit der Antwort — meist mit der nächsten Frage. Hier zeigt es, dass drei von sechs Faktoren zählen, dass die Flächen gekrümmt sind und dass das Optimum am Rand des untersuchten Raums liegt. Statt neu anzufangen, werden die 19 gefahrenen Einzelexperimente mitgenommen: in einen leicht verschobenen Raum der drei wirksamen Faktoren, ergänzt um 15 neue Einzelexperimente, bis sie eine Wirkfläche für fünf Zielgrößen tragen.

Kampagne 1
Teilfaktorplan 26−2, 16 + 3 = 19 Einzelexperimente
Kampagne 2
I-optimale Erweiterung, 12 + 3 = 15 Einzelexperimente
Faktoren
6, davon 3 wirksam
Zielgrößen
5 Tabletteneigenschaften

Die Messwerte sind simuliert. Sie stammen aus fünf Modellen, die wir selbst festgelegt haben, plus Zufallsstreuung — so lässt sich am Ende prüfen, ob die Auswertung findet, was wirklich drinsteckt. Alle Tabellen und Diagramme sind mit DoEStat gerechnet und gezeichnet.

Schritt 1 / Aufgabe

Eine Tablette, fünf Vorgaben

Eine Tablette soll fest genug sein, um Verpackung und Transport zu überstehen, aber schnell genug zerfallen, um ihren Wirkstoff freizugeben — und sie soll sich ohne Schaden aus der Matrize lösen. Fünf Eigenschaften werden an jeder Charge gemessen:

  • Bruchfestigkeit — Zielwert 100 N, zulässig 80 bis 120 N
  • Friabilität (Abrieb) — zu minimieren, höchstens 1,0 %
  • Zerfallszeit — zu minimieren, höchstens 15 min
  • Freisetzung nach 30 Minuten — zu maximieren, mindestens 85 %
  • Ausstoßkraft — zu minimieren, höchstens 350 N

Sechs Größen von Rezeptur und Presse kommen als Stellgrößen in Frage:

FaktorEinheittief (−1)Zentrum (0)hoch (+1)
PresskraftkN8,011,014,0
Rotordrehzahl1/min203040
Schmiermittel%0,501,001,50
Mischzeitmin2610
Sprengmittel%2,003,505,00
Granulatfeuchte%1,52,53,5

Schritt 2 / Screening

Kampagne 1: sechs Faktoren in 19 Einzelexperimenten

Für sechs Faktoren reicht ein regulärer Teilfaktorplan: 26−2, ein Viertel der 64 Kombinationen, Auflösung IV — Haupteffekte sind frei von Zweifach-Wechselwirkungen. Drei Zentrumsversuche kommen dazu. Die Trennschärfe für einen Effekt von zwei Standardabweichungen liegt bei 96 %.

EinzelexperimentPresskraft [kN]Rotordrehzahl [1/min]Schmiermittel [%]Mischzeit [min]Sprengmittel [%]Granulatfeuchte [%]Bruchfestigkeit [N]Friabilität [%]Zerfallszeit [min]Freisetzung [%]Ausstoßkraft [N]
111,0301,0063,502,5970,579,683,9299
214,0400,5022,003,51300,3816,671,2460
38,0200,50102,003,5740,728,284,4339
414,0201,5022,003,51080,5118,862,2286
58,0400,50105,001,5690,793,397,1357
614,0401,50105,003,5980,5911,780,6320
714,0200,50105,003,51250,418,489,0463
814,0201,50102,001,51000,5219,465,3289
98,0401,50102,003,5641,0111,977,9249
108,0200,5022,001,5760,858,386,9342
1114,0200,5025,001,51280,286,792,7464
128,0201,5025,003,5601,086,987,7228
1311,0301,0063,502,5980,629,389,1292
148,0201,50105,001,5561,026,588,3227
1514,0401,5025,001,51020,5910,782,2309
1614,0400,50102,001,51250,4516,172,6465
178,0400,5025,003,5780,863,096,9367
1811,0301,0063,502,5980,639,985,7316
198,0401,5022,001,5711,0311,578,3223

Die Auswertung der Haupteffekte für alle fünf Zielgrößen passt in eine Tabelle. Jede Zahl ist der Effekt des Faktors von der tiefen zur hohen Stufe; hervorgehoben ist, was signifikant ist (p < 0,05).

FaktorBruchfestigkeit [N]Friabilität [%]Zerfallszeit [min]Freisetzung [%]Ausstoßkraft [N]
Presskraft46,0−0,4546,10−10,290,5
Rotordrehzahl1,250,03880,2000,037514,0
Schmiermittel−18,20,2013,35−8,54−141
Mischzeit−5,25−0,008750,375−0,3633,75
Sprengmittel−4,000,0187−6,7014,510,3
Granulatfeuchte1,250,003750,375−1,694,50
Reststreuung s5,270,06671,113,2121,4
Anpassungsmangel p0,00990,17920,05940,44940,2480
Pareto-Diagramm der Effekte auf die Bruchfestigkeit: Presskraft und Schmiermittel überragen die Signifikanzgrenze, die vier anderen Faktoren bleiben darunter.
Pareto: BruchfestigkeitPresskraft und Schmiermittel — sonst nichts.
Pareto-Diagramm der Effekte auf die Freisetzung: Sprengmittel, Presskraft und Schmiermittel überragen die Signifikanzgrenze, die drei anderen Faktoren bleiben darunter.
Pareto: FreisetzungHier führt das Sprengmittel, vor Presskraft und Schmiermittel.
Halbnormal-Diagramm der Effekte auf die Zerfallszeit: drei Punkte – Sprengmittel, Presskraft, Schmiermittel – liegen weit rechts jenseits der Grenzen, drei liegen nahe null auf der Geraden.
Halbnormal-Diagramm: ZerfallszeitDrei Effekte heben sich ab, drei liegen auf der Rauschgeraden.

Befund 1: Presskraft und Schmiermittel wirken auf alle fünf Zielgrößen, das Sprengmittel auf Zerfallszeit und Freisetzung. Rotordrehzahl, Mischzeit und Granulatfeuchte zeigen in keinem der 15 Tests einen signifikanten Effekt. Drei Faktoren bleiben.

Schritt 3 / Befund

Warum das Screening nicht das Ende ist

Mit den drei wirksamen Faktoren lässt sich schon optimieren. Die Screening-Modelle (Haupteffekte und die Wechselwirkungen, die sich als signifikant erweisen) führen über die Wünschbarkeit zu dieser Einstellung:

GrößeWert im Screening-RaumWünschbarkeit d
Presskraft [kN]11,19
Schmiermittel [%]1,051
Sprengmittel [%]5,000am Rand
Bruchfestigkeit [N]93,00,650
Friabilität [%]0,6750,541
Zerfallszeit [min]7,320,768
Freisetzung [%]89,330,433
Ausstoßkraft [N]327,00,230
Gesamtwünschbarkeit D0,493

Zwei Dinge sprechen dagegen, hier aufzuhören.

Das Optimum liegt am Rand. Das Sprengmittel steht an seiner Obergrenze von 5 %. Ein Modell aus Geraden sagt an einem Rand immer „weiter in diese Richtung“ — ob dahinter noch etwas zu holen ist oder die Wirkung längst abflacht, kann es nicht wissen.

Die Flächen sind gekrümmt. Die drei Zentrumsversuche liegen neben dem, was die Modelle für die Mitte vorhersagen: bei der Ausstoßkraft 302 N gemessen gegen 331 N vorhergesagt (Anpassungsmangel p < 0,001), bei der Freisetzung 86,2 % gegen 82,7 % (p = 0,044). Ein zweistufiger Plan kann diese Krümmung feststellen, aber keinem Faktor zuordnen.

Befund 2: Gebraucht wird ein quadratisches Modell für drei Faktoren — und ein Versuchsraum, der beim Sprengmittel über die 5 % hinausreicht.

Schritt 4 / Erweitern

Kampagne 2: Raum verschieben, Plan erweitern

Die drei unwirksamen Faktoren werden festgelegt — auf Werte, die der Produktion passen:

FaktorIm ScreeningIn der zweiten Kampagne fest auf
Rotordrehzahl20 … 40 1/min40 1/min
Mischzeit2 … 10 min5 min
Granulatfeuchte1,5 … 3,5 %2,5 %

Für die drei wirksamen wird der Raum neu gezogen. Beim Sprengmittel wandert er nach oben, damit die bisherige Obergrenze in der Mitte liegt; beim Schmiermittel entfällt der untere Rand, an dem die Ausstoßkraft zu hoch war; bei der Presskraft wird er um den Bereich enger, in dem die Bruchfestigkeit ihr Fenster trifft.

FaktorEinheitScreeningZweite KampagneAlte Stufen im neuen Maßstab (kodiert)
PresskraftkN8,0 … 14,09,0 … 13,0−1,50 … 1,50
Schmiermittel%0,50 … 1,500,75 … 1,50−1,67 … 1,00
Sprengmittel%2,00 … 5,003,50 … 6,50−2,00 … 0,00

In DoEStat ist das eine Funktion: Faktorbereich ändern und den Plan für ein Zielmodell erweitern. Die 19 vorhandenen Einzelexperimente bleiben mit ihren Messwerten erhalten und werden in den neuen Maßstab umgerechnet — die letzte Spalte zeigt, wo die alten Stufen dort liegen. 16 der 19 Einzelexperimente liegen außerhalb des neuen Würfels; DoEStat weist darauf hin, dass das Modell dort außerhalb des neuen Versuchsraums rechnet. Sie stützen die Fläche dennoch von außen. Dazu wählt DoEStat I-optimal zwölf neue Punkte im neuen Raum, die zusammen mit den alten das quadratische Modell am besten tragen, und drei neue Zentrumsversuche.

EinzelexperimentKampagnePresskraft [kN]Schmiermittel [%]Sprengmittel [%]Bruchfestigkeit [N]Friabilität [%]Zerfallszeit [min]Freisetzung [%]Ausstoßkraft [N]
1111,01,003,50970,579,683,9299
2114,00,502,001300,3816,671,2460
318,00,502,00740,728,284,4339
4114,01,502,001080,5118,862,2286
518,00,505,00690,793,397,1357
6114,01,505,00980,5911,780,6320
7114,00,505,001250,418,489,0463
8114,01,502,001000,5219,465,3289
918,01,502,00641,0111,977,9249
1018,00,502,00760,858,386,9342
11114,00,505,001280,286,792,7464
1218,01,505,00601,086,987,7228
13111,01,003,50980,629,389,1292
1418,01,505,00561,026,588,3227
15114,01,505,001020,5910,782,2309
16114,00,502,001250,4516,172,6465
1718,00,505,00780,863,096,9367
18111,01,003,50980,639,985,7316
1918,01,502,00711,0311,578,3223
20213,01,056,50990,657,985,3341
2129,01,056,50760,937,091,0264
22213,01,054,401070,619,384,5328
23211,01,504,10920,7610,081,2265
24211,01,506,50840,759,085,0287
25211,01,054,10940,588,986,2310
2629,00,986,50770,875,988,0306
27211,01,506,50830,848,481,0279
28211,01,504,10830,7010,182,5281
29211,80,756,501000,596,688,4373
30211,00,984,101010,738,288,2322
31211,01,054,10950,548,289,1303
32211,01,135,00910,768,087,0297
33211,01,135,00900,696,989,5299
34211,01,135,00880,738,389,4290

Die neuen Einzelexperimente sind in der Tabelle hervorgehoben. Was die Erweiterung leistet, zeigt die Planbewertung: Mit den 19 alten Einzelexperimenten allein ist das quadratische Modell nicht schätzbar. Mit allen 34 ist es das, mit Varianzinflation unter 4 und einer Trennschärfe von 86 bis 100 % je Term für einen Effekt von einer Standardabweichung:

TermVIFTrennschärfe bei 1 σ
Presskraft1,6599,7
Schmiermittel2,0098,1
Sprengmittel2,4695,2
Presskraft × Schmiermittel1,07100,0
Presskraft × Sprengmittel1,59100,0
Schmiermittel × Sprengmittel1,79100,0
Presskraft²2,6795,0
Schmiermittel²3,6585,9
Sprengmittel²2,65100,0

Ein Nebeneffekt des Streichens: Weil die drei entfallenen Faktoren nichts bewirken, sind die 16 Ecken des Screenings im Raum der drei verbliebenen acht Ecken, jede doppelt gefahren. Zusammen mit den Zentrumsversuchen beider Kampagnen ergibt das 15 Freiheitsgrade für den reinen Fehler — eine belastbare Streuungsschätzung, die kein zusätzliches Einzelexperiment gekostet hat.

Schritt 5 / Wirkfläche

Fünf Modelle aus 34 Einzelexperimenten

Jede Zielgröße bekommt ihr eigenes Modell: vom vollen quadratischen Modell rückwärts reduziert (p-Wert, α = 0,05, Hierarchie eingehalten).

ZielgrößeTerme im ModellR²R² korr.R² VorhersageReststreuung sAnpassungsmangel pVarianzanteil Kampagne
Bruchfestigkeit [N]50,97290,96810,95673,330,61120,0 %
Friabilität [%]40,91690,90540,88620,05940,089527,3 %
Zerfallszeit [min]50,98790,98570,98190,4420,96370,0 %
Freisetzung [%]50,96410,95760,94761,570,88980,0 %
Ausstoßkraft [N]50,98060,97710,97029,760,11555,0 %
Term (kodiert)Bruchfestigkeit [N]Friabilität [%]Zerfallszeit [min]Freisetzung [%]Ausstoßkraft [N]
Konstante92,10,6897,6388,3296
Presskraft14,5−0,1491,42−2,3728,4
Schmiermittel−6,770,07501,26−3,30−40,4
Sprengmittel−2,460,0303−1,201,115,92
Presskraft × Schmiermittel−1,69···−5,26
Presskraft × Sprengmittel··−0,5851,12·
Schmiermittel × Sprengmittel·····
Presskraft²−2,350,0286···
Schmiermittel²····17,8
Sprengmittel²··1,06−3,07·

Die Koeffizienten stehen in den kodierten Einheiten des neuen Raums. Die Krümmung, die das Screening nur feststellen konnte, hat jetzt einen Namen: Sprengmittel² bei Zerfallszeit und Freisetzung, Schmiermittel² bei der Ausstoßkraft, Presskraft² bei Bruchfestigkeit und Friabilität. Der Anpassungsmangel ist bei keiner Zielgröße mehr signifikant.

Unterscheiden sich die Kampagnen? Zwischen zwei Versuchsserien können Wochen liegen, eine neue Rohstoffcharge, ein anderer Bediener. DoEStat führt die Kampagne als Block und kann sie als zufälligen Effekt schätzen. Die letzte Spalte zeigt den Anteil der Kampagne an der Reststreuung: bei drei Zielgrößen null, bei der Ausstoßkraft 5 %, bei der Friabilität 27 % einer ohnehin kleinen Streuung. Die Kampagnen passen zusammen.

Varianzanalyse der Freisetzung
QuelleQuadratsummedfMittleres QuadratFp
Modell18615372,2150,22< 0,0001
Presskraft142,51142,557,50< 0,0001
Schmiermittel381,01381,0153,75< 0,0001
Sprengmittel17,64117,647,120,0125
Presskraft × Sprengmittel60,14160,1424,27< 0,0001
Sprengmittel²323,71323,7130,63< 0,0001
Residuen69,38282,478
Anpassungsmangel21,06131,6200,500,8898
Reiner Fehler48,32153,221
Gesamt193033
Konturdiagramm der Freisetzung über Sprengmittel von 2 bis 6,5 Prozent und Schmiermittel von 0,5 bis 1,5 Prozent, mit den Versuchspunkten beider Kampagnen: die Freisetzung steigt mit dem Sprengmittel bis etwa 5,3 Prozent und fällt danach wieder; weniger Schmiermittel erhöht sie. Die optimale Einstellung ist markiert.
Freisetzung: Sprengmittel × SchmiermittelAlter und neuer Raum auf einer Karte. Die Freisetzung hat ihren Scheitel bei gut 5 % Sprengmittel — jenseits der alten Obergrenze fällt sie wieder.
Dreidimensionale Wirkfläche der Freisetzung über Sprengmittel und Schmiermittel: ein Rücken, der entlang des Sprengmittels ansteigt und wieder abfällt.
Dieselbe Fläche in 3DEin Rücken: entlang des Sprengmittels gekrümmt, entlang des Schmiermittels fast gerade abfallend.
Konturdiagramm der Zerfallszeit über Sprengmittel und Presskraft: die Zerfallszeit fällt mit dem Sprengmittel bis zu einem flachen Tal und steigt mit der Presskraft.
Zerfallszeit: Sprengmittel × PresskraftAuch hier flacht die Wirkung des Sprengmittels ab; mehr Presskraft verlängert den Zerfall.
Konturdiagramm der Bruchfestigkeit über Presskraft und Schmiermittel: die Festigkeit steigt mit der Presskraft und fällt mit dem Schmiermittel.
Bruchfestigkeit: Presskraft × SchmiermittelPresskraft macht fest, Schmiermittel macht weich — die Linie für 100 N läuft schräg durch den Raum.
Residuen der Freisetzung über den vorhergesagten Werten: die Punkte beider Kampagnen streuen gleichmäßig um die Nulllinie.
Residuen gegen VorhersageFreisetzung, beide Kampagnen: keine Struktur.
Normal-Quantil-Diagramm der standardisierten Residuen der Freisetzung: die Punkte folgen der Geraden.
Normalverteilung der ResiduenDie Punkte folgen der Geraden.

Schritt 6 / Optimierung

Ein Fenster für fünf Vorgaben

Die Wünschbarkeit fasst die fünf Ziele zusammen; gesucht wird im neuen Raum.

FaktorEinstellungEinheitkodiert
Presskraft10,95kN−0,03
Schmiermittel0,932%−0,52
Sprengmittel4,953%−0,03
ZielgrößeZielVorhersage95-%-VorhersagebereichWünschbarkeit dWahrer Wert
Bruchfestigkeit [N]Zielwert 100 (80,0 … 120)95,288,2 … 102,30,76293,1
Friabilität [%]minimieren, höchstens 1,000,6530,527 … 0,7790,5780,649
Zerfallszeit [min]minimieren, höchstens 15,06,986,05 … 7,910,8027,05
Freisetzung [%]maximieren, mindestens 85,090,0786,75 … 93,380,50790,63
Ausstoßkraft [N]minimieren, höchstens 350320,9300,2 … 341,60,291322,2
Gesamtwünschbarkeit D0,564

Das Optimum liegt jetzt im Inneren: 4,95 % Sprengmittel, 0,93 % Schmiermittel, 10,9 kN Presskraft. Alle fünf Vorgaben sind eingehalten, die Gesamtwünschbarkeit beträgt 0,56. Am knappsten ist die Ausstoßkraft: weniger Schmiermittel hilft Freisetzung, Festigkeit und Zerfall, treibt aber die Kraft beim Ausstoßen — der Kompromiss liegt dort, wo sich beides die Waage hält.

Overlay-Diagramm über Sprengmittel und Presskraft: ein großer gelber zulässiger Bereich, begrenzt oben durch Ausstoßkraft gleich 350, unten durch Bruchfestigkeit gleich 80 und links oben durch Freisetzung gleich 85; ein Fadenkreuz markiert die optimale Einstellung in der Mitte.
Overlay: das zulässige FensterGelb ist, wo alle fünf Vorgaben eingehalten sind. Die Einstellung liegt mitten im Fenster — mit Abstand zu jeder Grenze.
Rampendiagramm: oben drei Schieber für die Faktoren, darunter für jede der fünf Zielgrößen eine Rampe mit dem vorhergesagten Wert als Punkt, ganz unten ein Balken für die Gesamtwünschbarkeit 0,564.
RampenFünf Zielgrößen auf einen Blick: die Bruchfestigkeit nah am Zielwert, die Ausstoßkraft am weitesten von ihrem Ideal.

Alle fünf Zielgrößen in einem Bild

Die überlagerte Darstellung zeigt mehr als die Grenzen: die Höhenlinien jeder Zielgröße in ihrer eigenen Farbe, die Grenzen als kräftige Linien — durchgezogen eine Untergrenze, gestrichelt eine Obergrenze —, den Sweet Spot hinterlegt und das Optimum als Punkt. Dargestellt ist der neue Versuchsraum, je ein Schnitt für jedes Faktorpaar.

Überlagertes Konturdiagramm über Sprengmittel und Schmiermittel mit Höhenlinien von fünf Zielgrößen in fünf Farben. Der hinterlegte Bereich wird oben von der kräftigen violetten Linie Freisetzung gleich 85 als Bogen und unten von der gestrichelten orangen Linie Ausstoßkraft gleich 350 begrenzt; das Optimum liegt bei knapp 5 Prozent Sprengmittel und gut 0,9 Prozent Schmiermittel.
Sprengmittel × SchmiermittelZwei Grenzen schneiden das Fenster zu: oben die Freisetzung, unten die Ausstoßkraft. Die Linie für 90 % Freisetzung zeigt den Scheitel bei gut 5 % Sprengmittel.
Überlagertes Konturdiagramm über Sprengmittel und Presskraft mit Höhenlinien von fünf Zielgrößen. Der hinterlegte Bereich füllt fast das ganze Bild; begrenzt wird er oben links von der kräftigen violetten Linie Freisetzung gleich 85, oben von der gestrichelten orangen Linie Ausstoßkraft gleich 350 und unten von der kräftigen blauen Linie Bruchfestigkeit gleich 80.
Sprengmittel × PresskraftZu viel Presskraft treibt die Ausstoßkraft, zu wenig kostet Bruchfestigkeit; wenig Sprengmittel bei hoher Presskraft kostet Freisetzung.
Überlagertes Konturdiagramm über Presskraft und Schmiermittel mit Höhenlinien von fünf Zielgrößen. Der hinterlegte Bereich wird links von der kräftigen blauen Linie Bruchfestigkeit gleich 80, oben rechts von der kräftigen violetten Linie Freisetzung gleich 85 und unten rechts von der gestrichelten orangen Linie Ausstoßkraft gleich 350 begrenzt.
Presskraft × SchmiermittelHier treffen drei Grenzen zusammen. Das Optimum liegt auf der Linie für 90 % Freisetzung, zwischen den Linien für 300 und 350 N Ausstoßkraft.

Drei der fünf Vorgaben bestimmen das Fenster — Freisetzung, Ausstoßkraft und Bruchfestigkeit. Friabilität und Zerfallszeit halten ihre Grenzen im ganzen neuen Raum ein; ihre Grenzlinien kommen in den Bildern gar nicht vor. Wer den Spielraum vergrößern will, weiß damit, an welchen drei Zielgrößen er ansetzen muss.

Schritt 7 / Bestätigung

Drei Chargen an der empfohlenen Einstellung

Zielgröße95-%-VorhersagebereichBestätigung 1Bestätigung 2Bestätigung 3Gemeinsamer Test p
Bruchfestigkeit [N]88,2 … 102,39894890,2815
Friabilität [%]0,527 … 0,7790,640,620,630,9211
Zerfallszeit [min]6,05 … 7,917,36,96,70,8224
Freisetzung [%]86,75 … 93,3891,391,590,80,6699
Ausstoßkraft [N]300,2 … 341,63143243270,8200

Ergebnis: Alle 15 Messwerte liegen im Vorhersagebereich ihrer Zielgröße, kein gemeinsamer Test schlägt an.

Bilanz

Was der zweite Schritt gebracht hat

Das Sprengmittel steht nach beiden Schritten bei rund 5 %. Geändert hat sich, was man darüber weiß: Nach dem Screening war das ein Rand, an dem das Modell „mehr“ sagte. Nach der Erweiterung ist es ein Optimum — die Karte zeigt, dass die Freisetzung jenseits von gut 5 % wieder fällt. Wer dem linearen Modell gefolgt wäre und auf 6 % erhöht hätte, hätte Sprengmittel verbraucht und Freisetzung verloren.

Schmiermittel und Presskraft haben sich verschoben (von 1,05 auf 0,93 % und von 11,2 auf 10,9 kN), die Gesamtwünschbarkeit ist von 0,49 auf 0,56 gestiegen. Vor allem aber stehen jetzt Modelle, die Krümmung beschreiben, mit Vorhersagebereichen aus 15 Freiheitsgraden reinem Fehler — und ein Overlay, das zeigt, wie viel Spielraum die Einstellung hat.

Der Aufwand: 34 Einzelexperimente für sechs Faktoren und fünf Zielgrößen, von denen kein einziger verworfen wurde. Ein neuer zentral zusammengesetzter Plan für drei Faktoren hätte allein 20 Einzelexperimente gebraucht, zusätzlich zu den 19 des Screenings.

Gegen die Wahrheit: Die Spalte „Wahrer Wert“ in der Optimierungstabelle zeigt, was die simulierten Modelle an der empfohlenen Einstellung tatsächlich liefern. Alle fünf wahren Werte liegen im Vorhersagebereich; die größte Abweichung hat die Bruchfestigkeit mit 2 N. In den wahren Modellen stecken auch winzige Effekte der drei gestrichenen Faktoren (höchstens 3 N Ausstoßkraft, 1 N Bruchfestigkeit) — zu klein, um im Screening aufzufallen, und zu klein, um zu stören.

Projektdateien

Selbst nachfahren

Das Beispiel liegt DoEStat als zwei Projekte bei — eines je Kampagne: Hilfe ▸ Beispielprojekt öffnen ▸ Screening ▸ „Screening, erste Kampagne: Tablettierung“ und Wirkfläche (RSM) ▸ „Erweitert zur Wirkfläche: Tablettierung, beide Kampagnen“, jeweils nur mit den Daten und mit fertiger Auswertung. Dieselben Dateien gibt es hier zum Herunterladen.

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